Kunststücke No. 5
- lh0588
- vor 2 Stunden
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A U S G E G E B E N E M A N L A S S . . . Während sich an diesem Wochenende viele Blicke nach Berlin richten und das Gallery Weekend die gewohnten Bahnen zieht, bleiben wir hier in Hamburg. Oder, um es mit einem Augenzwinkern zu sagen: ein kleines gallisches Dorf, das unbeirrt die Fahne hochhält. Denn auch hier gibt es Anlässe, die genaueres Hinsehen verdienen. |
Am vergangenen Mittwoch durften wir gemeinsam mit Bianca Daniel die Veröffentlichung ihrer Künstlerpublikation ENOUGH. feiern – begleitet von einer Ausstellungseröffnung in der Galerie Daniel und die Kunst.
Das 200-seitige Künstlerbuch aus dem Verlag Ludvig Rage ist auf 500 Exemplare limitiert und wartet nur darauf, von Ihnen entdeckt zu werden.
Es locken neue Werke der Hamburger Künstlerin, intensive Auseinandersetzungen und ganz persönliche, intime Seiten.
Mehr verrate ich an dieser Stelle noch nicht. Nur so viel: Schnell sein lohnt sich.

Denn heute möchte ich Sie einladen, gemeinsam mit mir den Blick auf eine einzelne Arbeit zu richten, die auch das Buchcover ziert:
In To Be Yourself Takes Less Space Than Expected I begegnet uns eine Figur, die sich eindeutigen Festlegungen entzieht.
Wir blicken in mandelförmige, dunkle Augen. Sie erinnern an die rätselhaften Blicke in den Porträts Amedeo Modiglianis, deren Leere als Projektionsfläche zu deuten ist. In Anlehnung an sein Zitat „Wenn ich deine Seele kenne, male ich deine Augen“ erscheinen sie als mögliche Spiegel der Seele – zugleich offen und unzugänglich. Es liegt also nah, dass es weniger um ein bestimmtes Individuum als um eine Haltung geht.
Ein maskulin anmutendes, leicht überspitztes Bein irritiert die klare Zuschreibung des Körpers und öffnet die Figur für eine Lesart jenseits tradierter Geschlechterrollen. Die Gestalt erscheint als unabhängige Frau, die sich nicht über äußere Zuschreibungen definiert. Das Motiv nimmt den Bildraum nahezu vollständig ein, spielt mit der Enge und wirkt dennoch in sich gesammelt.
Auch die haarlose Kopfpartie lässt Fragen offen: Sind es Überreste einer Perücke, vielleicht ein Relikt äußerer Rollenbilder?
So löst sich die Figur von einer konkreten Bezugsperson und wird zur Projektionsfläche einer grundlegenden Frage: Was bewegt den Menschen und wie viel braucht er, um er selbst zu sein?
Lassen Sie uns etwas genauer schauen. Im Verborgenen wartet eine weitere Ebene darauf, erforscht zu werden. Bei näherem Hinsehen verschiebt sich der Blick von der Figur auf das, was sie umgibt – oder vielleicht besser: auf das, was sich in der Oberfläche verbirgt. Denn diese ist alles andere als glatt.
Das mit Messern scharf bearbeitete Umfeld der Figur wird zu einer Erweiterung des Inneren: In die Acrylmasse sind Wörter, Buchstaben und Zeichen eingeritzt – Fragmente, in denen Begriffe wie „Proud“ oder „Rough“ aufscheinen, ohne sich vollständig lesen zu lassen.
Eine verdichtete Oberfläche aus Gedanken, Zuschreibungen, Zuständen.
Manche Spuren bleiben sichtbar, andere werden wieder übermalt, zugespachtelt oder nur noch fragmentarisch angedeutet. Unter der Oberfläche liegen weitere Schichten verborgen – werden und wollen wir sie jemals offenlegen?
Möchten Sie noch eine Ebene tiefer gehen? Sprechen Sie mich jederzeit an.
Ihre
Laura Harlaß
BIANCA DANIEL
TO BE YOURSELF TAKES LESS SPACE THAN EXPECTED I
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