Kunststücke No. 2
- lh0588
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T O T A L B A N A N E . Inmitten von lieblichem Gesang, Weihnachtskugeln und Lichterglanz begrüße ich ein Motiv, das zunächst so gar nicht nach Weihnachtstradition klingt. Und mir nicht zuletzt mit der kürzlich vergangenen Art Basel Miami doch erstaunlich passend erscheint: die Banane, gemalt von Daniel Kannenberg. |
Statt Gold, Weihrauch und Myrrhe – den ehrwürdigen Gaben aus jener heiligen Nacht – widmen wir uns in diesem Jahr also einer etwas anderen Kostbarkeit, die im gegenwärtigen Jahrhundert zur Skandalfigur in der Kunstwelt avancierte. Maurizio Cattelan klebte 2019 auf der Art Basel Miami eine handelsübliche Banane mit Panzertape an eine Wand und das Auktionshaus Sotheby’s versteigerte sie schließlich im letzten Jahr für 6,2 Mio. Dollar (ca. 5,9 Mio. Euro). Als ironischer Kommentar über den Kunstmarkt ging sowohl das Bild als auch der Preis um die Welt.
Doch eigentlich beginnt die Geschichte weitaus früher. Bereits in der DDR wurde die Banane zum begehrten Gut. In der Pop Art wurde sie von Andy Warhol für die Velvet Underground & Nico-Platte in die Ikonographie der westlichen Konsumgesellschaft eingeschrieben. Und damit nicht genug. Als Phallussymbol spielt sie auf Körper und Begehren an. Verlust der Unschuld oder unschuldiger Genuss? Die Banane ist in der Kunstgeschichte wie ein Chamäleon. Oder auch einfach nur ein schneller Vitaminspender nach dem Sport und am Frühstückstisch.
Daniel Kannenbergs „Grüße aus der Küche“ greifen genau diese Gegensätze auf. Jede Banane – übrigens naturalistisch in Öl und Acryl gemalt – kann für eine solche Bedeutungsverschiebung stehen. In Kannenbergs Bildkosmos reiht sie sich mühelos ein in virtuose Darstellungen von Pudeln mit Perücken, goldenen Fischen mit menschlichen Füßen, tropischen Pflanzen und Designklassikern. Und konfrontiert uns in absurder Gelassenheit mit großen gesellschaftlichen Themen unserer Gegenwart: Was feiern wir? Was kritisieren wir? Was konsumieren wir?
Vermutlich fügt sie sich gerade deshalb auch so herrlich in diese kalte, besinnliche Jahreszeit. Weihnachten ist schließlich ein Fest, das aus Ritualen und Bedeutungen besteht. Darf die Gabe in diesem Jahr dann nicht auch mal gelb sein? Gelb im Kerzenlicht wirkt übrigens überraschend feierlich. Fast wie ein Stern, der sich in eine Schale verirrt hat...
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Es bleibt mir nur noch mit einem Zwinkern hinzuzufügen, dass Kannenbergs Banane(n) jeweils ungefähr 5.898.100 Euro erschwinglicher sind als die – wohlgemerkt handelsübliche – Cattelans aus dem letzten Jahr. Und auf manchen Werken kommt die Banane sogar gleich dreimal vor: ein unerwartetes 3-für-1-Erlebnis, ganz ohne Kunstmarkt-Spekulation.
In diesem Sinne: "Feliz BANANAd!“
Diese Wünsche darf ich übrigens im Namen von Bianca und Volker Daniel ebenfalls verdreifachen.
Ihre
Laura Harlaß
PS: Finden Sie Banane? Das lässt sich vertiefen. Ich freue mich auf den persönlichen Austausch mit Ihnen.
DANIEL KANNENBERG
GRUSS AUS DER KÜCHE II – XI
2025
Tusche, Acryl, Papier und Öl auf Graukarton,
47 x 35 cm, gerahmt























