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Anna van den Hövel

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Wenn Anna van den Hövel über ihre Arbeit spricht, spricht sie selten über Motive. Stattdessen erzählt sie von Orten und Materialien. Von Vulkanlandschaften, vom Licht, von den Alpen oder von den Straßen einer Großstadt. Ihre Bilder entstehen aus dem Versuch, Erfahrungen festzuhalten, bevor sie zu Erinnerungen werden. Man könnte sagen, Anna van den Hövel bewegt sich wie eine aufmerksame Chronistin durch die Welt. Was ihr begegnet, verschwindet nicht einfach wieder. Menschen und Momente werden gespeichert und tauchen später auf ihren Leinwänden erneut auf. 

 

Zuletzt waren ihre Werke in Mexiko zu sehen. Entstanden während längerer Aufenthalte in Mexiko-Stadt und Reisen durch verschiedene Regionen des Landes, kreisen die Arbeiten um die Frage, was ein Ort in uns hinterlässt. Von ihren Reisen bringt die Künstlerin oftmals mehr mit zurück als Fotografien oder Skizzen. Erde, Staub, Gestein und andere Fundstücke werden Teil der Malerei. Sie verändern die Arbeiten von innen heraus. Die Bilder speichern Erfahrungen, überlagern sie, lassen sie wieder verschwinden und neu auftauchen. 

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Ihre Oberflächen wirken dabei wie Landschaften eigener Art. Sie werden geformt durch Zeit und Bewegung, Material und Malerei. Hängt diese Arbeitsweise auch mit ihrer eigenen Biografie zusammen? Aufgewachsen zwischen Menorca, den österreichischen Alpen und München, entwickelte Anna van den Hövel früh ein Gespür für die Eigenheiten unterschiedlicher Landschaften und Kulturen. 

 

Bis heute beschäftigt sie sich mit der Frage, wie Umgebung unser Denken und Fühlen beeinflusst. Heimat erscheint dabei weniger als geografischer Ort als ein Moment der Verbundenheit. Wer ihre Arbeiten betrachtet, begegnet deshalb nicht nur Farbe und Form, sondern insbesondere eine Vielzahl von Spuren. Sie erzählen nicht, wo man gewesen ist. Sie erzählen davon, was von einem Ort geblieben ist. 

Über die Ausstellung LIFELINES.

 

Die Ausstellung LIFELINES widmet sich den Bruchlinien im Werk von Anna van den Hövel – jenen sichtbaren und unsichtbaren Verschiebungen, durch die sich Landschaften ebenso verändern wie das Leben.

 

Risse durchziehen ihre Oberflächen, Krater öffnen die Fläche, massive Formationen treten beinahe skulptural aus der Leinwand hervor. Sie erinnern an Gesteinsschichten, Gebirgszüge oder Landschaften, die durch Druck und Bewegung neu geformt wurden. Nichts bleibt glatt, nichts vollkommen eben. Die Bilder tragen ihre Entstehung offen zur Schau.

 

Diese Strukturen sind jedoch mehr als ein formales Merkmal ihrer Malerei. Anna van den Hövels künstlerische Entwicklung ist eng mit ihrer eigenen Biografie verbunden: mit unterschiedlichen Orten und Kulturen, mit Bewegung und Aufbruch, aber auch mit Erfahrungen, die Spuren hinterlassen haben. Ihre Arbeiten bilden keine konkreten Ereignisse ab. Vielmehr verwandeln sie Erlebtes in Material.

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Acryl, Kohle, Erde, Mörtel und Lack werden aufgetragen, verdichtet, aufgebrochen und erneut verbunden. Jede Schicht reagiert auf die vorherige. Manche Partien scheinen verwundet, andere verschlossen oder beinahe versiegelt. Aus Widerstand entstehen Formen, aus Vertiefungen neue Räume, aus Rissen Linien, die das Bild zusammenhalten.

 

So werden die Werke zu materiellen Erinnerungsräumen. Eindrücke von Landschaften, Reisen und Begegnungen verbinden sich mit persönlichen Erfahrungen, ohne sich eindeutig voneinander trennen zu lassen. Die äußere und innere Welt überlagern sich. Was einmal Ort, Bewegung oder Gefühl war, erscheint als Struktur, Farbe und beinahe körperliche Präsenz.

 

Der Titel LIFELINES bezeichnet geologische Verwerfungen – jene Stellen, an denen Kräfte aufeinandertreffen und ganze Landschaften in Bewegung geraten. Zugleich verweist er auf die Bruchlinien eines Lebens: auf Einschnitte, Übergänge und Momente.

 

Doch ein Bruch bedeutet in diesen Arbeiten nicht nur Verletzung. Er ist eine formende Kraft. Denn Landschaften entstehen nicht trotz ihrer Verwerfungen, sondern durch sie.

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